Ausgangslage

Der demografische Wandel verändert unsere Gesellschaft nachhaltig: Sie wird älter und bunter. Dies hat Auswirkungen auf nahezu alle Politikbereiche. Besonders spür- und erlebbar ist dieser Prozess in den Kommunen – in den Städten, Landkreisen und Gemeinden. Dabei sind die Kommunen im Zeitverlauf ganz unterschiedlich stark betroffen, so dass es auf kommunaler Ebene einer individuell abgestimmten Gesamtstrategie bedarf.

Das Projekt Demografiewerkstatt Kommunen (DWK) befasst sich nicht mit einzelnen oder wenigen Aspekten und Handlungsfeldern, sondern stellt die Kommune mit all ihren Facetten sowie ihren politischen und administrativen Prozesse in den Mittelpunkt. Die oft geforderte „Entsäulung“ innerhalb von Kommunen kann in diesem Projekt ebenso thematisiert werden wie Beteiligungsprozesse und die Entwicklung und Nutzung von Netzwerken.

Gemeinsam mit den Kommunalen Spitzenverbänden wurden die Kreise Dithmarschen in Schleswig-Holstein und Düren in Nordrhein-Westfalen, der Landkreis Emsland mit der Gemeinde Vrees in Niedersachsen sowie der Regionalverband Saarbrücken ausgewählt. Weiterhin wurden die Städte Riesa und Adorf/Vogtl. in Sachsen, Grabow in Mecklenburg-Vorpommern sowie die Großstadt Dortmund in Nordrhein-Westfalen zur Teilnahme im Projekt ausersehen.

Durch die Auswahl der strukturellen und in ihren Größenordnungen sehr verschiedenen Gebietskörperschaften wird den unterschiedliche Ausgangslagen in den Kommunen* Rechnung getragen. Die dezentrale Siedlungsstruktur und die landschaftlich-kulturelle Vielfalt Deutschlands sind Teil der wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik. Es besteht jedoch die Gefahr, dass bestehende Ungleichgewichte zwischen Regionen und innerhalb von Regionen zunehmen, so dass durch Abwanderung und Alterung die Wirtschaftlichkeit von Infrastruktureinrichtungen infrage steht und die örtliche Daseinsvorsorge nicht mehr überall gesichert ist. Zur Lösung der damit verbundenen Herausforderungen gibt es keine Patentrezepte.

Ziel

Ziel der DWK ist, Kommunen „demografiefest“ zu machen. Was „demografiefest“ bedeutet, hängt von der jeweiligen Kommune ab – die acht ausgewählten Kommunen müssen vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Prägungen und Besonderheiten differenziert betrachtet werden. Dadurch können die im Projektverlauf zu entwickelnden Prozesse hin zu einer demografiefesten Kommune aber als Vorbild für andere, vergleichbare Kommunen gelten.

Wichtig ist, dass sich am Ende des Projekts Strukturen und Prozesse nachhaltig etabliert haben und diese übetragbar für weitere Kommunen mit gleichartigen Herausforderungen sind. Im Einzelnen soll erreicht werden, dass …

  • sich in den Kommunen nach der fünfjährigen Beratungs- und Unterstützungszeit Hand-lungsansätze und ein methodischer „Werkzeugkoffer“ entwickelt haben, die für andere Kommunen anwendbar sind.
  • sich die Selbständigkeit und Eigeninitiative der Menschen bis ins hohe Alter verbessert, Partizipation und Potentialentfaltung der Jugend verstärkt sowie die partnerschaftliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefördert und dies auch weiterhin als politische Aufgabe verfolgt wird.
  • Diversity als selbstverständliche Querschnittsaufgabe verstanden wird.

die gewonnenen Erfahrungen ausgewertet, zur Weitergabe aufbereitet und in die Demo-grafiestrategie eingespeist werden, so dass sich Kommunen, Länder- sowie Bundesressorts an diesen Erfahrungen orientieren können und diese auch international kommuniziert werden.

Projektbeschreibung

Über einen Zeitraum von fünf Jahren sollen in der DWK die ausgewählten Kommunen bei der Gestaltung des demografischen Wandels vor Ort durch externe Beratungsteams begleitet und unterstützt werden, welche sich nach den individuellen Bedarfen der Kommune richten. Organisiert wird dieser Prozess von der Geschäftsstelle DWK, die beim Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V. in Bielefeld angesiedelt ist. Konkrete Projekte sollen dabei angestoßen, bereits vorhandene Initiativen einbezogen und sinnvoll, effektiv und nachhaltig miteinander vernetzt werden.
Im ersten Halbjahr des Proejtks werden Auftaktveranstaltungen in allen teilnehmenden Kommunen durchgeführt. Im Folgenden werden Bestandsaufnahmen für jede Kommune erstellt, die in ein „Kommunalprofil“. Auf dieser Basis soll in einer Zukunftswerkstatt gemeinsam mit der Kommune ein verbindlicher „Werkstattplan“ entwickelt werden, der dann die Grundlage für die weiteren Schritte und die Arbeit mit den externen Beratungsteams bildet. In der weiteren Umsetzung ist vorgesehen, den Austausch und die Vernetzung mit anderen Kommunen zu fördern und die Anbindung an andere Projekte des Ministeriums, des Bundes und von Dritten zu unterstützen.
Die differenzierte Betrachtung der Lebenslagen einzelner Gruppen innerhalb der Bevölkerung wie Frauen und Männern, Alt und Jung, mit und ohne Migrationshintergrund, unterschiedliche Lebensformen wie Ein-Personen-Haushalte, Familien, Alleinerziehende und Lebensgemeinschaften ist dabei von herausragender Bedeutung.
Die Prozessabläufe hin zur demografiesten Kommune werden systematisch beschrieben und evaluiert. Die Bestandsaufnahmen und Erstellung der Kommunalprofile sowie die Evaluation wird entwickelt und umgesetzt von der Forschungsgesellschaft für Gerontologie e. V. an der Technischen Universität Dortmund. Auf Basis der so gewonnenen Erkenntnisse sollen Handlungsempfehlungen und praxisnahe Anregungen für einen großen Kreis von Kommunen erstellt werden.

Das Projekt wird durch Expert/innen und Multiplikator/innen bei Veranstaltungen der DWK themenbezogen begleitet; Sitzungen der Steuerungsgruppe, dem das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ, die Kommunalen Spitzenverbände sowie die Deutsche Fernsehlotterie sind zu besonderen Meilensteinen des Projekts vorgesehen.  

 

* „Kommune“ wird in der DWK synonym für alle Gebietskörperschaften verwendet.

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